Sport in Augsburg: Hallo Tobias, schön dich in Augsburg begrüßen zu dürfen. Das Wichtigste zuerst: Wie kam es denn zum Wechsel zu den Augsburger Panthern?
Tobias Ancicka: Vielen Dank. Ja, ich war im Sommer vereinslos und dann war die Frage natürlich: Was ist der nächste Schritt? Dieser war für mich extrem wichtig, weil er sich stark auf meine folgende Karriere auswirken könnte. Dann habe ich mir einige Gedanken gemacht und Augsburg hat sich gleichzeitig auch sehr viel Mühe gegeben, mich nach Augsburg zu holen und schlussendlich hat hier das Gesamtpaket einfach gestimmt und somit habe ich mich dann für Augsburg entschieden und bin mit der Entscheidung nun auch sehr glücklich.
Gab es einen entscheidenden Grund, wie beispielweise andere Spieler, die du schon kanntest, weswegen du dich für Augsburg entschieden hast?
Das Wichtigste für mich war einfach wieder zu spielen und frei spielen zu können. Und nach vielen Gesprächen hat hier das Gesamtpaket am besten zu dem gepasst, was ich wollte. Zudem ist das Umfeld auch super angenehm, viele junge deutsche Jungs, was ich auch cool fand.
Wie liefen die ersten Tage und Wochen nach der Unterschrift für dich ab?
Nach der Unterschrift war ich noch in Köln, daher ging es ganz normal mit Training und Spielbetrieb weiter. Ich war natürlich erleichtert, dass ich was in der Hand hab. Ich meine, das ist immer irgendwie in deinem Kopf. Man ist immer am Überlegen wie es weitergeht und das stresst dich natürlich ein bisschen. Wenn man dann unterschrieben hat, dann ist das aus dem Kopf raus und man ist um einiges befreiter. Ansonsten waren die ersten Tage hier sehr schön. Ich habe die Stadt erkunden können und muss sagen: Megaschöne Stadt! Das hat mich ein bisschen überrascht, denn ich kannte davor nicht viel von Augsburg, aber die Altstadt ist unfassbar schön. Die Jungs waren auch super und haben mich gut aufgenommen. Ich kannte viele von ihnen, weil ich schon mit einigen zusammengespielt habe. Deswegen fiel es mir auch sehr leicht, hier anzukommen.
Wie schwer war es, Köln aufzugeben?
Ich war ja schon eine ganze Zeit lang dort und habe einiges erlebt. Aber vor allem, weil es am Ende nicht so gut für mich persönlich lief, war es eigentlich nicht schwer, Köln aufzugeben. Da war es für mich wichtiger, einen neuen Weg einschlagen zu können, viel zu spielen und mir wieder einen Namen zu machen. Ich möchte mich auf mich fokussieren, einfach Gas geben und das Beste daraus machen. Ich will auf jeden Fall mit Augsburg erfolgreich sein.
Hast du schon einen neuen Lieblingsplatz oder ein besonderes Restaurant für dich entdeckt?
Lieblingsplatz tatsächlich noch nicht, aber eine Route. Wir starten immer an der Maximilianstraße und laufen von dort aus runter Richtung Altstadt an den Kanälen entlang. Dort habe ich dann auch ein sehr gutes italienisches Restaurant gefunden, das wir jetzt schon regelmäßig besuchen.
Wie wichtig ist es dir, dich in der Stadt wohl zu fühlen?
Es ist ein guter Beigeschmack, wenn die Stadt schön ist. Für mich geht es natürlich hauptsächlich um den Beruf. Ich bin Profi, daher hat der Club Priorität. Klar ist es schön, wenn es drum herum passt und ich glaube das beeinflusst auch ein bisschen die Leistung. Aber: Ich bin ja hier, um Eishockey zu spielen.
Die letzten zwei Jahre in Köln waren für dich durchaus schwierig. Du bekamst wenig Eiszeit und konntest nicht an deine Leistungen anknüpfen. Gibt es dennoch etwas, was du sportlich und persönlich aus dieser Zeit mitnimmst?
Das meiste habe ich natürlich aus meinem ersten Jahr in Köln mitgenommen. Dort habe ich viel gespielt und war dann auch das erste Mal bei der A-Nationalmannschaft dabei. Ich habe die Stadt und den Verein schon auch gewissermaßen ins Herz geschlossen. Ich meine, es ist schon etwas Spezielles, in der LANXESS Arena zu spielen. Vor allem aufgrund der Riesenkulisse. Die letzten beiden Jahre waren schon eine sehr schwierige Phase. Ich kam aus einer Verletzung und dann war der Start nicht so gut und es zerbricht so ein bisschen das Selbstvertrauen. Die Kommunikation vom Trainer war auch sehr früh sehr klar und man teilte mir mit, dass es jetzt in eine andere Richtung laufen wird. Und wenn man einfach das Vertrauen nicht mehr so spürt, dann macht das schon etwas mit einem. Davor lief es immer gut und plötzlich findest du dich auf der Tribüne wieder und denkst dir „Oh, das ging jetzt aber schnell“. Ich kam quasi von dem einen Extrem in das andere und das musst du natürlich auch erst einmal verarbeiten. Für mich war klar, ich muss mich auf das fokussieren, was ich beeinflussen kann und das ist mein Training. Natürlich hatte ich keinen Bock bei den Spielen auf der Tribüne zu sitzen. Und dann sitzt du dort aber jedes Spiel, das schlägt einem schon aufs Gemüt. Aber ich habe versucht, das Beste daraus zu machen.
Am Ende konntest du nur neun Einsätze verbuchen – wie problematisch macht das die Verhandlungen mit neuen Vereinen?
Das ist natürlich eine schlechte Ausgangssituation, denn du hast ziemlich wenig in der Hand. Man muss dann mit dem Potenzial argumentieren, welches der Spieler hat. Man hat ja auch an meinem ersten Jahr in Köln gesehen, dass ich sehr gute Leistungen abrufen kann. Klar lief das letzte Jahr nicht gut, aber da gehören viele verschiedene Faktoren dazu. Aber alles in allem bin ich natürlich froh, dass Augsburg mir die Chance für einen Neustart bietet und ich hoffe, dass ich diese auch nutzen kann.
Blicken wir etwas weiter zurück, auf deine Anfänge als Torwart. Viele Torhüter beginnen als Feldspieler – wie war das bei dir?
Bei mir war das tatsächlich ganz anders. Ich war eigentlich von Anfang an Torwart. Ich weiß nicht, ob es so etwas schon einmal gegeben hat. Ich war direkt von der ersten Eiseinheit im Tor, obwohl ich noch nicht einmal Schlittschuhlaufen konnte. Da ich bereits fast sieben war, war ich für die Laufschule schon etwas zu alt. Und eigentlich wollte ich auch gar kein Eishockeyspieler werden, aber dann kam es zu einer besonderen Begegnung. Mein Vater hat damals in Mannheim gespielt und der damalige Torwart, Robert Müller, hat in einer komplett roten Ausrüstung gespielt - das hat mich unfassbar fasziniert. Ab diesem Moment wollte ich unbedingt ins Tor und nichts anderes mehr machen. Tja und seitdem bin ich eigentlich im Tor und habe somit auch in Torwartausrüstung Schlittschuhlaufen gelernt.
Welche Stationen waren für deine Entwicklung besonders wichtig?
Eigentlich gab es viele Stationen, die wichtig waren. Zunächst natürlich der Weg nach Berlin. Dort war es in Sachen Nachwuchsarbeit schon sehr gut organisiert. Schule und Sport wurden sinnvoll kombiniert, zudem haben sie in der höchsten Nachwuchsliga gespielt. Gleichzeitig gab es bereits einiges an Input von der von der Profimannschaft. Ich habe viel mit dem Torwarttrainer von der Profimannschaft gearbeitet und durfte schon sehr früh reinschnuppern Anschließend der Weg nach Finnland, welcher allem für die Athletik extrem wichtig war. Da durfte ich kennen lernen, was wirklich harte Arbeit ist und was auch wirklich Konkurrenzkampf ist, weil in Finnland einfach jeder Eishockey Profi werden will. Du hast viele gute Jungs in der Mannschaft, weswegen um Plätze sehr hart gekämpft wird. Auch der Weg nach Köln war natürlich prägend. Vor allem im ersten Jahr habe ich viel Vertrauen bekommen und konnte mich so in der in der Liga etablieren. Abgesehen von den Vereinen an sich war mein Vater eine sehr wichtige Bezugsperson. Er hilft mir bis heute sehr viel und mit ihm kann ich über alles reden. Und natürlich hatte ich auch sehr viele gute Torwarttrainer, wie beispielsweise Sebastian Elwing, mit dem ich bis heute Kontakt pflege. Auch Ilari Näckel in Köln oder Petri Vehanen in Finnland zähle ich da absolut mit dazu. Ich hatte Glück, mit sehr vielen guten Torwarttrainern zu arbeiten. Beim Head Coach würde ich Uwe Krupp nennen. Obwohl die Mannschaft einen schweren Start hatte, hat er mir dennoch sehr, sehr viel Vertrauen und sehr viel Ruhe zugesprochen. Meistens hat man als Torwart nicht so viel Kontakt mit den anderen Coaches, aber er hat mir schon sehr viel Vertrauen gegeben und das hat sich dann auch in meiner Leistung widergespiegelt.
Was würdest du sagen, hat sich an deinem Torwartspiel in den letzten Jahren am meisten geändert?
Ich bin grundsätzlich meiner Linie treu geblieben, die größte Veränderung war von Nachwuchs zu Profis. Ich hatte einen sehr breiten Stand, welcher mit der Zeit schmaler wurde, weil man sich dann einfach besser bewegen kann. Und ganz wichtig: mehr Ruhe. Man braucht diese Ruhe, denn die Spieler sind mittlerweile extrem gut und ruhig an der Scheibe. Wenn du zu hektisch wirst, dann ist das weniger als eine Sekunde und du liegst unten. Deswegen brauchst du die Schnelligkeit auf der einen Seite, aber eben auch die Ruhe auf der anderen Seite. Du darfst dem Spieler nicht zu schnell irgendeine Seite geben und musst geduldig bleiben. Ich versuche somit auch selbst ein Ruhepol für die Mannschaft zu sein, vor allem wenn es hektisch wird. Wenn man schon über eine Minute lang hinten eingeschnürt wird, dann will ich trotzdem Ruhe ausstrahlen. Ich glaube, so etwas hilft der Mannschaft auch immer enorm.
Ist das dann auch deine größte Stärke?
Ja, würde ich schon sagen. Meine Stärke war schon immer, ruhig zu bleiben. Ruhige Hände zu haben, ruhiges Positionsspiel, nicht so hektisch zu sein und technisch sehr sauber zu bleiben. Im Gegensatz dazu muss ich mich noch am Spiel mit der Scheibe verbessern. Das wird immer wichtiger und erleichtert der Mannschaft den Breakout. Man kann viel Druck rausnehmen und das Team entlasten.
Wie viel von einem guten Torwartspiel ist Technik und wie viel ist der Kopf?
Kopf ist natürlich das Wichtigste. Egal ob Torwart oder Spieler würde ich sagen, dass 80% der Kopf ausmacht. Je technisch versierter dein Torwart ist, desto einfacher fällt ihm das Spiel. Durch seine Ruhe wird es umso schwieriger für die Spieler eine Lücke zu finden.
Wie gehst du mit Fehlern von dir um, die ja meistens in einem Gegentor enden?
Das kommt darauf an, wie groß der Bock war, den man da geschossen hat. Wenn du ein richtiges Ei kassierst, zweifelst du schon mal an dir selbst. Aber normalerweise musst du das schnell abhaken, es geht ja direkt weiter und Eishockey ist ein extrem schneller Sport. Wenn du zu lange grübelst, kassierst du gleich das nächste Ding.
Wenn du auf die kommende Saison blickst, welche Rolle spielst du in der Mannschaft?
Klar ist, dass kein Torhüter gesetzt ist. Sowohl Peyton Jones, als auch ich, wissen, dass der bessere Torhüter spielen wird. Und dann hoffen wir, dass wir gut performen und der Mannschaft viel helfen können. Ich erwarte nicht, dass meine Verteidigung die Arbeit für mich erledigt und alle Schüsse blocken muss. Wie die Mannschaft spielt, kann ich nicht beeinflussen. Aber ich kann ihr helfen, wenn sie Fehler macht. Und das ist eigentlich das geile – hinter einer guten Mannschaft sind viele Torhüter gut. Aber erst bei einer schlechten Mannschaft siehst du, wie gut dein Torhüter ist. Ich will nicht abhängig von der Mannschaft sein, sondern meinen Teil zum Erfolg beitragen.
Wie sah der Alltag während der Sommervorbereitung aus?
Wir haben von den Augsburger Panthern aus von Montag bis Freitag von 08:00 bis circa 13:00 Uhr Gym-Einheiten. Und dann kannst du dir natürlich selber noch Sachen organisieren. Ich war jetzt bei meinem Vater im Camp, habe mir ein Eis in der Peterka Arena gebucht und wir haben uns als Mannschaft auch ein paar Eiszeiten in München besorgt. In Augsburg haben wir die Möglichkeit das Panther Gym zu nutzen. Dazu kommt dann individuell noch Reha oder Physio und auch um deine Ernährung musst du dich natürlich kümmern. Recovery spielt auch eine große Rolle.
Gibt es Bereiche, die ein Torhüter, im Vergleich zu anderen Positionen, speziell trainiert?
Als Torhüter versuchst du eigentlich eher leicht zu sein, um beweglich zu bleiben. Da stört ein riesengroßer Bizeps eher, als dass er dir hilft. Explosivität ist genauso wichtig, wie die Ausdauer. Du stehst in der Regel das gesamte Spiel auf dem Eis und musst immer im Fokus und konzentriert bleiben. Ansonsten gibt es noch das Augentraining, denn du musst sehr schnell fokussieren können, aber auch Abstände und Bewegungen erkennen. Dafür gibt es zum Beispiel Computerprogramme oder eine Schnur mit Murmeln auf unterschiedliche Höhe, bei denen du dann schnell abwechselnd fokussierst. Auch Atemübungen oder mentales Training gehören natürlich dazu.
Was machst du, um keinen Höhenflug zu bekommen bzw. in kein tiefes Loch zu fallen?
Ich bin zum Glück nicht der Typ dafür, abzuheben. Ich will auch die Aufmerksamkeit gar nicht so sehr. Ich möchte einfach meine Leistung abrufen und zeigen, was ich kann. Die andere Seite ist da schon schwieriger. Um nicht zu tief in ein Loch zu fallen, hilft es mir auf jeden Fall mit meinem Vater oder meiner Freundin zu sprechen. Kommunikation ist da auf jeden Fall der Schlüssel. Und man muss sich immer bewusst machen, dass morgen ein neuer Tag ist und man immer wieder die Chance hat, etwas aus der Situation zu machen. Dass man weiß, man hat Leute, die hinter einem stehen, hilft enorm, den Kopf frei zu machen.
Hast du feste Rituale vor einem Spiel?
Ich bin kein Fan von Ritualen oder Aberglauben. Ich habe das Gefühl, dass es einen negativ beeinflusst, wenn dann mal etwas anders abläuft oder nicht klappt. Ich habe einfach meine Routine, die ist mir sehr wichtig. Ich mache daher immer mein Warm-up und versuche, in einen Tunnel zu gelangen. Daher bin ich meist mit Kopfhörern unterwegs und möchte am liebsten nicht angesprochen werden. Ich bin sehr bei mir und habe das Gefühl, dass ich dadurch meinen Fokus am besten finden kann.
Du durftest bereits Teil der Nationalmannschaft sein. Ist es weiterhin dein Ziel, mit dieser noch einmal auflaufen zu dürfen?
Auf jeden Fall. Ich bin noch nicht in dem Alter, wo ich das komplett abschreiben muss, deswegen ist das ganz klar mein Ziel, dort noch einmal im Tor zu stehen. Ob es klappt werden wir sehen, aber ich werde alles dafür tun, noch einmal in die Nationalmannschaft zu kommen.
Gib uns einen Tipp – wo landen die Panther am Ende der Saison?
Das ist schon echt schwierig zu sagen. Ich finde, dass wir eine spannende Truppe haben. Ein junges Team mit guten Importspielern. Einen Tipp bekommt ihr daher nicht, aber ich würde sagen: Möglich ist alles. Vor allem mit einem guten Torhüter kannst du alles erreichen.
Wenn du kein Profisportler geworden wärst, welcher Beruf hätte dich interessiert?
Ich denke, dass ich dann Pilot geworden wäre. Mein Opa war Pilot und ich bin viel in diesen kleinen Maschinen mit ihm geflogen. Das hat mir schon sehr viel Spaß gemacht.
Gibt es etwas, was die Fans überraschen würde, wenn sie es von dir wüssten?
Puh, da gibt es bestimmt einige Sachen. Vielleicht etwas ungewöhnlich ist, dass ich sehr gerne Animes schaue. Also solche Dinge wie One Piece, Naruto oder Attack on Titan. Ich denke, das würden den ein oder anderen sicher überraschen.